Leserbrief zum EZ Artikel „Windkraft-Firma ist pleite“

von | Feb 1, 2022 | 2022, Energiewende, Klima, Klimapolitik, Leserbrief, Umweltpolitik, Windräder, ZMS

(uncut Version – der gedruckte Leserbrief musste komprimiert werden. siehe Bild unten)

Entsprechend der Aussagen von Herrn Niedergesäß ist es anscheinend keine Überraschung, dass Green-City in Konkurs gegangen ist.

EZ Artikel 25.01.2022 "Windkraft-Firma ist pleite"

Landkreis – Der Investor, der fünf Windkraft-Anlagen im Ebersberger Forst bauen will, ist pleite. Im Landratsamt will man aber von einem Ende des Projekts nichts wissen.

Die Green City Energy AG hat am Montag nach eigener Mitteilung beim Amtsgericht München Insolvenzantrag gestellt – „aufgrund von drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung“. Die finanzielle Schieflage, die das Münchner Unternehmen kurz vor dem Jahreswechsel einräumte (wir berichteten), mündet damit in einen Absturz. Zuletzt hatte das Unternehmen auf einen Restrukturierungsplan verwiesen.

Wie die EZ mittlerweile erfuhr, kam es anders. Eine dringend benötigte Finanzspritze per Kapitalerhöhung und der Einstieg eines neuen Investors fanden keine Zustimmung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung vergangenen Donnerstag. Gleichzeitig waren allein 2021 nach eigener Mitteilung Verluste in Höhe der Hälfte des Grundkapitals aufgelaufen. Die Folge des Scheiterns bewertet auf Anfrage Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK): „Die Aktionäre müssen mit einem Totalverlust rechnen.“ Nicht zuletzt ob mehrerer Wechsel im Vorstand gehe er davon aus, dass in dem Konzern „grobe Management-Fehler“ passiert seien.

Die Insolvenz der Aktiengesellschaft dürfte sich unmittelbar auf die Windkraft-Pläne für den Ebersberger Forst auswirken. „Ich gehe davon aus, dass die stillgelegt werden“, sagt SdK-Sprecher Müller. Es sei nicht plausibel, dass die Projektgesellschaft als Untergesellschaft der Green City noch das Investorenvertrauen für eine Finanzierung zusammenbekomme. Eine denkbare Lösung sei aber der Verkauf an einen anderen, solventeren Investor.

Darauf baut der Landkreis. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) bezog gegenüber der EZ am Montag telefonisch Stellung zur Pleite der Green City AG: „Ich sehe darin keine Gefährdung des Projektes.“ Angesichts der Nachrichten der vergangenen Wochen sei der Insolvenzantrag „keine Überraschung per se“. Folglich hätten sich bereits mehrere mögliche Interessenten gemeldet, die bei einer endgültigen Pleite in das Geschäft einsteigen könnten. Namen nannte Niedergesäß auf Nachfrage nicht. „Die Realisierung ist unabhängig von der Green City AG“, verspricht der Landrat aber. Es handle sich um ein „überregional interessantes Projekt“.

Wünschenswert sei eine regionale Lösung – und der Landkreis setze voraus, dass ein möglicher neuer Investor zu den mit Green City ausgehandelten Bedingungen tätig werde. Dazu gehöre etwa, dass mindestens zwei der geplanten fünf Anlagen unter Bürgerbeteiligung zu bauen sind. „Das kann Verzögerungen auf der Zeitachse zur Folge haben“, sagt Niedergesäß. Die Gutachten zu Umwelt- und Artenschutz liefen unverändert weiter. „Es ist der politische Wille im Landkreis, das Projekt umzusetzen“, so der Landrat. Im knapp für den Bau der fünf Anlagen ausgegangene Bürgerentscheid sei nicht die Rede von einer bestimmten Firma gewesen.

Thomas von Sarnowski aus Ebersberg, Kreisrat und Chef der bayerischen Grünen, argumentiert, dass Windkraft-Standorte wegen der 10-H-Regel in Bayern rar seien. Nicht zuletzt dank des bereits erfolgten, positiven Bürgerentscheids „findet sich sicher schnell ein neuer Investor“. Die „Blockadepolitik der letzten Jahre“ verlange Windkraftprojektierern im Schnitt fast zehn Jahre Vorleistung ab, bis eine Anlage gebaut sei. „Das hält nicht jeder durch“, so der Grüne, der mit Blick auf die neue Bundesregierung auf eine Vereinfachung der Verfahren hofft: „Die Energiewende ist im öffentlichen Interesse.“

Die Bayernpartei, die sich von Anfang an vehement gegen die Rotoren im Forst ausgesprochen hatte, geht in einer Stellungnahme hart mit dem Landrat und den Befürwortern des Projekts ins Gericht. Man warne seit Jahren davor, „Steuergelder für die Suche nach Windkraftstandorten eines dubiosen Investors aufzuwenden“. Die Green-City-Pleite reihe sich ein in das „fahrlässige Vertrauen der politischen Landkreis-Führung auf Wolkenkuckucksheime privater Firmen zulasten der Landkreisbürger“. Bei der Erwartung, es finde sich ein anderer Investor für das Projekt, handle es sich um „naive Beschwichtigungsversuche“. Bayernpartei-Kreisvorsitzender Robert Böhnlein veranlasst dies zu der Forderung nach persönlichen Konsequenzen durch den Landrat: „Herr Niedergesäß, treten Sie zurück!“

Green City äußerte sich mit Verweis auf das gerade anlaufende Insolvenzverfahren auf Anfrage nicht zur Zukunft des Windkraft-Projekts im Forst.

Quellenangabe: Ebersberger Zeitung vom 25.01.2022, Seite 30

Unter der Leitung von Herrn Niedergesäß wurde vor dem Bürgerentscheid Green-City von den Befürwortern als geeignetes, solides Unternehmen gelobt. Man hat diesem Investor die staatlichen Fördergelder regelrecht aufgedrängt. Weiter erinnere ich mich noch gut an die ebenfalls über LK-Fördergelder gesponserten und polarisierenden sogenannten Replikatoren-Treffen unter der Leitung der Pro Windkraft zusammen mit großem politischem Schaulauf. Auf deren Webauftritt wird immer noch die Verbindung mit der Green-City dargestellt. Sie, Herr Landrat, sind hier an erster Stelle mit Bild auf Unterstützerplakaten abgebildet.

2022 02 03 ez leserbrief versagen auf mehreren ebenen

Leserbrief – EZ vom 03.02.2022

 

Dass man gern dann die Energiewende predigt, wenn man öffentliche Gelder mitnehmen kann, ist nichts Neues. Interessanter wäre es zu wissen, weshalb Sie und ihr Kreistag, mit einem mehrfach finanziell vorbelasteten Investor seit Jahren überhaupt geplant haben, um dann mit einer insistierenden Fragestellung einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

Weiter drängt sich die Frage auf, was sind jetzt diese Gutachten und Studien, mit welchen Sie „weitermachen wollen“ wirklich wert? Genau so viel wie das ganze Lob für die Green-City? Wurden die Empfehlungen aus den Gutachten zum Artenschutz und Naturschutz gegen den vorgesehenen Standort eigtl. jemals ernsthaft in Erwägung gezogen oder mangelt es am Verständnis wie bei der Finanzierung über die Green-City?

 

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Egal, denn wenn mal eine Studie nicht passt, male ich mir über getreue Beraterfirmen eine Neue. Anfallende Kosten hierzu bezahlt sowieso, in unserem Fall die Kommune, der Staat. Hierzu sei kurz auf das letzte Zonierungskonzept von Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann verwiesen, welches unter Ihrer Leitung nun die x-fache Forst-Fläche, fast den halben Wald für Ihren Windkraft-Traum eröffnet.

Vor dem Bürgerentscheid wurden Informationen über ablehnende Gutachten sowie zur kritischen finanziellen Situation vom Investor nicht kommuniziert. Die Entscheidung wurde also auf der Grundlage eines unvollständigen kommunizierten Sachverhaltes herbeigeführt. Obendrein, Steuergeld wurde leichtfertig verschwendet.

Ihr sog. „überregionales Projekt“, also Ihr politisches „verträumtes weiter so“, kann und wird nicht nur in unseren Landkreis, sondern vermutlich auch in ganz Bayern die letzten Dämme gegenüber Naturschutz, Artenschutz und der Umweltschutz einreißen. Die lockere Zulassung enormer industrieller Flächen-Nutzung und -Versiegelungen in Schutzgebieten darf niemals eine Lösung sein. Der verantwortungslose Umgang mit Flora und Fauna darf nicht Standardbegleitung der Windkraft werden.

Nach der „vorhersehbaren“ Stilllegung des Projekts müsste zuerst eine NEUTRALE UND OFFENE AUFKLÄRUNG stattfinden. Bei diesem offensichtlichen Versagen auf mehreren Ebenen kann nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen und weiter locker (nach-)investiert werden. Stellen Sie sich doch zusammen mit allen politischen Mitverantwortlichen einem solchen tatsächlich neutralen Ausschuss, wenn Sie nichts zu befürchten haben und kümmern sie sich darum, dass der Falsch-Invest des Landkreises erstmals zurückkommt. Die bisher unzureichend informierte Bürgerschaft hat ein Recht, alle Hintergründe für das Versagen zu erfahren. Sämtliche an den Entscheidungen Beteiligte müssen sich bei diesem Skandal ihrer Verantwortung bewusst werden.

Die Verstrickung eines Unternehmens in der Politik nennt man schlicht Lobbyismus aber bestimmt nicht Energiewende!

Ich hatte mir nicht gedacht – offensichtlich ist der Parteichef unseres Windkraft-affinen CSU-Landrats, MP Söder der einzige Bayer mit Rückgrat. Der Letzte, der derzeit zu diesem Thema noch Hoffnung für das Land Bayern in der ganzen Windkraftdebatte erweckt.

 

 

Weiterführende Informationen:

Anleger bangen nach Green-City-Pleite um 250 Millionen Euro (SZ 02.02.2022)
„… da sei zuerst des extrem komplexe und intransparente Firmengeflecht .. mit vielen Tochtergesellschaften ..:“

Windkraft: Söder hält an 10H-Regel fest und stellt Forderungen (BR24 13.01.2022)
„… Also warum stärken wir nicht die Stärken, anstatt zu versuchen, wie bei einem englischen Rasen alles gleichzumachen (MP Söder) …“

Planer des Windparks Wippershainer Höhe in finanzieller Schieflage (HNA, 27.01.2022)
„… Gegen die Windpark-Pläne im Buchwald hat sich im Jahr 2014 eine Bürgerinitiative formiert. Die Mitglieder fürchten durch den Bau der Anlagen einen nachhaltigen Eingriff ins Landschaftsbild, gesundheitsschädigenden Infraschall und die Zerstörung der einzigartigen Natur sowie eines wertvollen Naherholungsgebiets …“

Fuchsstadt: Windpark-Betreiber ist insolvent (Main Post 01.02.2022)
„… Der Windpark bei Fuchsstadt wartet seit einem Baustopp im Herbst 2021 auf Fertigstellung. Noch ist unklar, ob die drei gerade erst errichteten Turmstümpfe stehenbleiben oder wieder abgerissen werden müssen … Dort hat der Windpark Betreiber Green City AG Insolvenz angemeldet …“

Landkreis Wesermarsch reißt Storchennest ab (NDR 21.01.2021)
„… Der Landkreis Wesermarsch will einen neuen Windpark bauen. Dafür musste jetzt ein Storchennest in der Nachbarschaft weichen … Einmal in Betrieb, würde die Anlage das Vogelpaar in Ovelgönne stören, argumentierte der Landkreis …“