Klimawandel – das größte Umweltproblem?

von | 27.Jul 2023 | Heimat, Klima & Klimapolitik, Umwelt & Natur, wb13, Wendeblatt

Gastbeitrag:  Balduin Koczynski

Nein! Das Artensterben geht schneller. Bereits in den Sechzigern war dieses Sterben augenfällig. Und die „Krefelder Studie“ (2015) hat gezeigt, dass es zu einem exponentiellen Insektensterben gekommen ist. (Und in gleicher Weise das Sterben von Vögeln, Reptilien und einigen Säugetieren.)
In einem Beobachtungszeitraum von nur 27 Jahren hat die Biomasse der Fluginsekten um 83,4 % abgenommen. Insbesondere ist dieser Schwund bei den Wildbienen ein großes Problem.

Warum gerade bei ihnen?! 80 % unserer Nahrungsmittel brauchen einen Bestäuber. Nur 30 % der Bestäubungsleistung er-bringen laut einer britischen Untersuchung unsere Honigbienen. Die 70 % schaffen im Wesentlichen die Wildbienen.

Während sich die Zahl der Bienenvölker in den letzten 10 Jahren auf über 1 Million verdoppelt hat, ist bei den solitär lebenden Wildbienen genau das Gegenteil eingetreten. Von den 521 in Bayern nachgewiesenen Arten ist die Hälfte in ihrem Bestand gefährdet und 48 gelten als ausgestorben.

Wie viele andere, wildlebende Tierarten haben die Wildbienen auch ihren Weg in die Städte gefunden. Hier ist eine größere Artenvielfalt als auf dem Offenland zu beobachten. Der Verlust von Nahrungs- und Nisthabitaten auf dem Land, aber auch das große Angebot an Blühpflanzen, der Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger in den Städten sind hauptursächlich.

Nur was man kennt, wird auch geschätzt und was man schätzt, wird auch geschützt. Für den Laien ist es jedoch kaum möglich eine Fliege von einer Wildbiene zu unterscheiden. Nicht an der Größe (3 bis 28mm) oder der Färbung kann man sie erkennen, aber es gibt einige Merkmale bei allen Bienenarten: Ihre Körper sind deutlich erkennbar in Kopf, Brust und Hinterleib untergliedert. Sie haben 4 Flügel (2 bei den Fliegen) und können über dem Hinterleib gefaltet werden. Sie haben lange Fühler und elliptische Augen. Die Fliegen haben nur sehr kurze Fühler und runde Augen.

Wie kann ich Wildbienen schützen?! Ein Drittel der Wildbienen nistet über der Erde in hohlen Pflanzen-stängeln oder markhaltigen, die senkrecht stehen müssen. Sie nisten in Fraßgängen von Insekten oder Bohrlöchern im Holz. Manche graben sich ihre eigenen Niströhren im morschen Holz. Zwei Drittel leben in der Erde, in sandigen Böden, in Steilwänden aus einem Lehm/Sandgemisch, in Trocken-mauern oder Erdspalten. Für alle gilt eine Ausrichtung zur Sonne nach Süden/Süd-Osten. Die Nordseite von Gebäuden und schattige Plätze unter Bäumen sind nicht geeignet. Für alle gilt: der Standort soll wind- und regengeschützt sein.

Manche Arten pendeln mehr als 1000 Mal für eine einzige Brutzelle zu den Blüten, um die nötige Pollenmenge zu sammeln. Der Aktionsradius ist somit auf 250 m beschränkt, denn eine längere Flugzeit würde den Bruterfolg und die Lebensdauer der Wildbiene stark reduzieren. Zwischen Nahrungs- und Nisthabitaten dürfen somit keine großen Entfernungen liegen.

Tu ich nicht schon genug?! Ich habe doch eine Insektennisthilfe aus dem Baumarkt aufgestellt und bienenfreundliche Blumen gepflanzt. Leider nein! Viel Geld ausgegeben, ohne den Wildbienen wirklich geholfen zu haben. Der Mut zu einer „Schmuddelecke“ im Garten und der Verzicht auf englischen Tennisrasen wäre schon ein guter Start. Ein geschickt angelegter Totholzhaufen ist nicht nur ein Paradies für Insekten, sondern auch eine Nisthilfe für den Zaunkönig und ein Quartier für das Mauswiesel, das uns von den lästigen Wühlmäusen befreit. Heimische Wiesenblumen statt langweiliger Grasödnis wäre der nächste Schritt. Und die Pflanzenstängel über den Winter stehen lassen Das verzaubert unseren Garten bei Raureif nicht nur in eine Zauberwelt, sondern ist auch Winterquartier für viele Insekten.

Der Aktivkreis Umwelt hat das Projekt „Ganzheitliches Wildbienen-Management“ in Markt Schwaben gestartet. Studenten der TUM Freising haben mit einer Bestandaufnahme der Wildbienenarten und ihrer Nahrungshabitate begonnen.

Und was ist das Ziel?! Bestehende Wildbienenpopulationen gilt es zu stabilisieren und andere Arten anzulocken, indem wir deren Futterpflanzen aussähen und entsprechende Nisthilfen bauen. Dazu bitten wir um die Unterstützung unserer Mitbürger, dieses Stückchen Natur für unser Enkel zu retten.

Das Sterben der Wildbienen betrifft mich doch gar nicht, oder?! Oh doch, sehr! Ohne sie werden die Ertragsleistung von Obst und Gemüse stark eingeschränkt. Sie werden zur Mangelware. Viele können sich dann eine gesunde Ernährung nicht mehr leisten. Mit allen seinen gesundheitlichen Folgen! Wollen wir Krankheiten, Mangelerscheinungen und vorzeitiges Ableben in Kauf nehmen?!

Das Artensterben ist das sechste große Massensterben in der Erdgeschichte, diesmal menschengemacht. Noch haben wir eine kleine Chance, etwas zu ändern.

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Das Eigeninteresse der Betreiber lässt für Umwelt- und Artenschutz keinen Raum. Es interessiert nicht, was man jetzt anrichtet und der Zukunft hinterlässt. Darüber hinaus kauft man sich über Bürgerbeteiligungen Anrainer ein, damit sie gute Miene zum schlechten Spiel machen und ruhig gestellt sind. Die Zeche zahlt die gesamte Gesellschaft, also die Steuerzahler, und weiterdenkend bei jeglicher Bauargumentation Flora und Fauna.